Die Entscheidung in Kürze
Eine ERP-Datenmigration ist kein technischer Kopiervorgang. Sie ist eine fachliche Entscheidung darüber, welche Daten weiterhin gebraucht werden, wer ihre Qualität bestätigt und wie Vollständigkeit sowie Abstimmung vor Go-live nachgewiesen werden.
Migration ist eine fachliche Freigabeentscheidung über Datenobjekte, Qualität, Eigentümer und Verwendung im Zielprozess.
Testmigrationen zeigen Vollständigkeit, Zuordnung, Fehler und fachliche Abnahme vor dem Go-live.
Technische Übertragbarkeit ist nicht gleich fachliche Richtigkeit.
Warum ausgerechnet die Stammdaten?
Bewegungsdaten verzeihen Fehler – eine falsche Buchung lässt sich korrigieren. Stammdaten nicht: Artikel, Kunden, Lieferanten, Kostenstellen und Projektstrukturen sind das Skelett des Systems. Jeder Prozess, jede Auswertung, jede Schnittstelle hängt daran. Wer Dubletten und Altlasten migriert, betoniert sie ins neue System ein – und wundert sich, warum die versprochene Transparenz ausbleibt.
Die fünf typischen Stammdaten-Fallen
- Dubletten: Derselbe Kunde dreimal, leicht unterschiedlich geschrieben. Im Altsystem gelernt zu umgehen – im neuen System zerstört es Auswertungen und Automatisierung.
- Tote Datensätze: Artikel, die seit Jahren nicht bewegt wurden, Lieferanten ohne Umsatz. Sie blähen die Migration auf und verlängern jede Testrunde.
- Uneinheitliche Strukturen: Jede Abteilung hat eigene Nummernkreise, Bezeichnungslogiken und Projektbäume. Das neue System zwingt zur Entscheidung – besser vorher als im Migrationswochenende.
- Feld-Zweckentfremdung: Das Bemerkungsfeld, das in Wahrheit die Liefervereinbarung trägt. Solches Wissen geht bei automatischer Übernahme verloren.
- Unklare Verantwortung: Niemand „besitzt" die Kundenstammdaten – also entscheidet niemand, welcher der drei Datensätze der richtige ist.
Bereinigung beginnt vor dem Projekt, nicht im Projekt
Der häufigste Planungsfehler: Datenbereinigung als Arbeitspaket kurz vor der Migration. Zu diesem Zeitpunkt fehlt die Zeit, und die Fachbereiche stecken in Schulungen und Tests. Realistisch ist: Bereinigung startet, sobald die Wechselentscheidung fällt – oft ein Jahr vor Go-live. Wer noch in der Entscheidungsphase steckt, hat sogar einen Vorteil: Saubere Daten machen auch das Altsystem besser, egal wie die Entscheidung ausgeht.
Bewährt hat sich die Reihenfolge: Verantwortliche je Datenobjekt benennen, Regeln definieren (was ist ein aktiver Artikel, wie heißt ein Kunde), maschinell vorbereinigen, fachlich nachentscheiden, einfrieren – und ab dann jede Neuanlage nur noch nach neuer Regel.
Testmigrationen: dreimal ist Minimum
Eine Migration, die zum ersten Mal am Go-live-Wochenende komplett läuft, ist keine Migration, sondern ein Experiment. Planen Sie mindestens drei vollständige Testläufe mit echten Daten und fachlicher Abnahme: Stimmen Summen, Bestände, offene Posten? Funktionieren die Prozesse mit den migrierten Daten – nicht nur mit den sauberen Demodaten aus der Anbieterpräsentation?
Vier Freigaben vor der Migration
Entscheidend ist, welche Voraussetzung für Ihren konkreten Fall noch nicht belegt ist.
| Prüffeld | Leitfrage | Belastbarer Nachweis | Konsequenz |
|---|---|---|---|
| Umfang | Welche Stamm-, Bewegungs- und Historiedaten werden benötigt? | Freigegebener Migrationskatalog. | Nicht alles ungeprüft übernehmen. |
| Qualität | Welche Regeln gelten für Vollständigkeit und Dubletten? | Datenprofil und Bereinigungsregeln. | Fachliche Qualität messbar machen. |
| Eigentum | Wer genehmigt Daten je Domäne? | Benannte Data Owner. | IT nicht allein freigeben lassen. |
| Abstimmung | Wie wird Quelle gegen Ziel geprüft? | Probeläufe und fachliche Summenabstimmung. | Go-live nur mit Nachweis. |
Responsibility Ledger
Qualität und Freigabe fachlich verantworten.
Extraktion, Transformation und Ladeprozess liefern.
Umfang, Termine und Rest-Risiken steuern.
Warnsignale
- Migration wird erst nach Konfiguration geplant.
- Historie wird ohne Nutzungsfall vollständig übernommen.
- Bereinigung besitzt keinen fachlichen Eigentümer.
- Der erste vollständige Test findet kurz vor Go-live statt.
WISSEN UND DETAILS
Quellen, Prüfstand und vertiefende Informationen.
Ergänzende Nachweise und Detailfragen sind vollständig am Ende des Artikels gebündelt.
Inhalt und Fortschritt
Was jetzt entschieden werden sollte
- EntscheidungMigration ist eine fachliche Freigabeentscheidung über Datenobjekte, Qualität, Eigentümer und Verwendung im Zielprozess.
- NachweisTestmigrationen zeigen Vollständigkeit, Zuordnung, Fehler und fachliche Abnahme vor dem Go-live.
- Bewusste GrenzeTechnische Übertragbarkeit ist nicht gleich fachliche Richtigkeit.